WIG-Schweißen: Der komplette Leitfaden für Einsteiger und Profis

Was ist WIG-Schweißen? Die Grundlagen Einsteiger
Wenn Du mit dem Schweißen anfängst, wirst Du schnell auf drei Kürzel stoßen: MIG/MAG, E-Hand und WIG. Das WIG-Verfahren – ausgeschrieben Wolfram-Inertgas-Schweißen – ist dabei das jüngste der drei und gleichzeitig das präziseste.
Im Englischen heißt das Verfahren TIG für Tungsten Inert Gas. Tungsten ist das englische Wort für Wolfram. Beide Begriffe meinen also exakt dasselbe. In Deutschland hat sich WIG durchgesetzt, international wirst Du häufiger TIG lesen.
Das Besondere am WIG-Schweißen: Die Elektrode brennt nicht ab. Beim Schweißen mit dem Elektrodenhalter (E-Hand) oder beim MIG/MAG-Verfahren wird die Elektrode bzw. der Draht selbst zum Zusatzwerkstoff. Beim WIG bleibt die Wolframelektrode nur Zündpunkt für den Lichtbogen. Zusatzmaterial führst Du mit der zweiten Hand als Schweißstab zu – oder Du verzichtest ganz darauf und schmelzt die beiden Werkstücke direkt miteinander.
Warum „Inertgas"?
Inertgas bedeutet Edelgas – ein Gas, das chemisch nicht reagiert. Meistens verwenden wir beim WIG-Schweißen reines Argon. Das Argon bildet eine Glocke um den Lichtbogen und das Schmelzbad, damit kein Luftsauerstoff an die heiße Schmelze kommt. Sauerstoff würde die Naht oxidieren und porös machen.
Abb. 1: Der WIG-Prozess – Wolframelektrode, Schutzgasglocke, Lichtbogen und optionaler Zusatzwerkstoff
So funktioniert der WIG-Prozess Einsteiger
Der WIG-Prozess ist im Grunde einfach, auch wenn die saubere Ausführung Übung braucht. Zwischen der Wolframelektrode im Brennerkopf und dem Werkstück brennt ein elektrischer Lichtbogen. Dieser Lichtbogen hat eine Temperatur von etwa 4.000 Grad Celsius – genug, um jedes Metall zum Schmelzen zu bringen.
Das Schutzgas strömt aus der Keramikdüse rund um die Elektrode und bildet eine unsichtbare Schutzatmosphäre über dem Schmelzbad. Solange diese Gasglocke intakt ist, kann kein Luftsauerstoff an die Naht gelangen.
Die drei möglichen Zünd-Varianten
Den Lichtbogen zündest Du je nach Gerät auf eine von drei Arten:
- Kontaktzündung (Liftarc): Du tippst die Elektrode kurz auf das Werkstück und hebst sie wieder ab. Einfach, aber die Elektrode verschleißt leicht. Üblich bei günstigen Einsteigergeräten.
- Hochfrequenzzündung (HF): Ohne Berührung springt der Lichtbogen über eine kurze Distanz zum Werkstück. Das Standard-Verfahren bei Profi-Geräten und der schonendste Weg für die Elektrode.
- Hochspannungszündung: Eine Variante der HF-Zündung mit kurzem Spannungsimpuls. Weniger funkenreich und damit elektronikfreundlicher.
Tipp aus unserer Werkstatt
Wenn Du elektronische Bauteile oder empfindliche Maschinen in der Nähe hast, solltest Du HF-Zündung vermeiden oder abschirmen. Die hochfrequenten Störungen können Steuerungen beeinflussen. Für solche Umgebungen gibt es WIG-Geräte mit spezieller Zünd-Logik.
Was im Schmelzbad passiert
Sobald der Lichtbogen brennt, entsteht unter ihm ein Schmelzbad – also ein kleiner Pool geschmolzenen Metalls. Wenn Du jetzt einen Schweißstab von der Seite einführst, schmilzt dessen Spitze im Schmelzbad und füllt die Fuge zwischen den beiden Werkstücken. Zieht Du den Brenner langsam weiter, erstarrt das Metall hinter Dir zur fertigen Naht.
Bei Materialien, die sauber zusammenliegen und keinen Spalt aufweisen, kannst Du komplett ohne Zusatzwerkstoff arbeiten. Man spricht dann vom autogenem Schweißen im engeren Sinn oder schlicht „ohne Zusatz". Das ist elegant, spart Material und ergibt sehr saubere Nähte – funktioniert aber nur bei dünnen Blechen mit perfekter Passung.
Die richtige Ausrüstung für WIG Einsteiger
Für das WIG-Schweißen brauchst Du fünf Kernkomponenten. Welche Qualität Du jeweils wählst, entscheidet später über Komfort, Lebensdauer und Ergebnis-Qualität.
1. Die Stromquelle
Das Schweißgerät liefert den Strom für den Lichtbogen. Für Einsteiger genügt ein reines DC-Gerät, wenn Du nur Stahl und Edelstahl schweißen willst. Willst Du auch Aluminium verarbeiten, brauchst Du ein AC/DC-Gerät – das kostet etwa 30 bis 50 Prozent mehr, ist aber die einzige Möglichkeit, Aluminium sauber zu schweißen.
In unserem Shop findest Du die komplette Auswahl an WIG-Schweißgeräten – von Einsteigermodellen bis zu professionellen Industrie-Anlagen made in Germany.
2. Der Brenner
WIG-Brenner gibt es gasgekühlt und wassergekühlt. Gasgekühlte Brenner eignen sich bis etwa 200 A und sind günstiger. Darüber oder bei langen Schweißarbeiten empfehlen wir wassergekühlte Varianten – sie sind schlanker, leichter und verschleißarmer.
3. Die Wolframelektroden
Wolframelektroden gibt es in verschiedenen Legierungen, erkennbar an einem farbigen Kennzeichnungsring. Die Farbe ist international genormt nach DIN EN ISO 6848:
| Farbe | Bezeichnung | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| Rot | WT20 (2 % Thoriumoxid) | Klassiker für Stahl/Edelstahl, radioaktiv – wird zunehmend ersetzt |
| Blau | WL20 (2 % Lanthanoxid) | Thoriumfreie Alternative zu WT20, universell für Stahl/Edelstahl/DC |
| Gold | WL15 (1,5 % Lanthanoxid) | Ähnlich WL20, aber für AC-Betrieb optimiert |
| Grün | WP (reines Wolfram) | AC-Schweißen von Aluminium und Magnesium |
| Grau | WC20 (2 % Ceroxid) | Gute Zündeigenschaften, Alternative zu Thorium |
Für den Einstieg empfehlen wir die blaue WL20 – sie kann fast alles und ist gesundheitlich unbedenklich. Die klassische rote WT20 enthält geringe Mengen radioaktives Thorium und wird in modernen Werkstätten seltener eingesetzt.
4. Das Schutzgas
Standardgas beim WIG-Schweißen ist Argon in Reinheit 4.6 (99,996 %). Für dicke Aluminium- oder Kupferteile kannst Du Argon-Helium-Gemische nutzen: Helium bringt mehr Wärme in die Naht und sorgt für besseren Einbrand. Für Edelstahl und reaktive Metalle wie Titan verwendest Du zusätzlich ein Formiergas (Wurzelschutz) von der Nahtrückseite.
5. Die Schutzausrüstung
Beim WIG-Schweißen strahlt der Lichtbogen intensiv UV-Licht ab – ein ungeschützter Blick schädigt die Augen binnen Sekunden. Pflicht ist:
- Automatikhelm mit Schutzstufe DIN 10 bis 13, besser mit optischer Klasse 1/1/1/1
- Schweißerhandschuhe aus dünnem Leder (Ziegenleder gibt Dir maximales Fingerspitzengefühl für den Brenner)
- Flammhemmende Kleidung nach EN ISO 11611, mindestens Klasse 1
- Atemschutz bei längeren Arbeiten oder in schlecht belüfteten Räumen – Edelstahl-Schweißen erzeugt Chrom- und Nickelhaltige Rauche
Eine gute Auswahl an Schweißhelmen, Handschuhen und Schutzkleidung findest Du in unserer Zubehör-Kategorie.
Welche Metalle lassen sich WIG-schweißen? Fortgeschritten
Das WIG-Verfahren ist universell einsetzbar. Praktisch jedes schweißbare Metall lässt sich damit verarbeiten – die Unterschiede liegen in der Stromart, der Elektroden-Wahl und den Parametern.
| Werkstoff | Stromart | Elektrode | Schutzgas |
|---|---|---|---|
| Unlegierter Stahl | DC (Minus am Brenner) | WL20 blau | Argon 4.6 |
| Edelstahl (z.B. 1.4301) | DC (Minus am Brenner) | WL20 blau | Argon 4.6 + Formiergas |
| Aluminium | AC (Wechselstrom) | WP grün oder WL15 gold | Argon oder Argon-Helium |
| Magnesium | AC (Wechselstrom) | WP grün | Argon 4.6 |
| Kupfer (Dünnblech) | DC | WL20 blau | Argon oder Argon-Helium |
| Titan | DC (Minus am Brenner) | WL20 blau | Argon 5.0 + Formiergas + Nachströmzeit |
| Nickel-Basislegierungen | DC (Minus am Brenner) | WL20 blau | Argon 4.6 |
Für den passenden Schweißzusatz haben wir eine breite Auswahl an Werkstoffen und Schweißstäben im Shop – von Stahl über verschiedene Edelstahl-Güten bis zu Aluminium-Legierungen.
AC oder DC? Wechsel- oder Gleichstrom Fortgeschritten
Die Wahl der Stromart entscheidet sich am Werkstoff. Das ist beim WIG-Schweißen besonders wichtig, weil einige Metalle nur mit dem passenden Stromtyp sauber verarbeitbar sind.
Gleichstrom (DC) für Stahl, Edelstahl und die meisten Metalle
Bei Gleichstrom fließt der Strom immer in eine Richtung. Im Normalfall schließt Du die Elektrode am Minuspol an und das Werkstück am Pluspol – die Fachleute sagen „Elektrode negativ" oder DCEN. Das hat einen physikalischen Grund: Etwa zwei Drittel der Wärme entstehen am Pluspol, ein Drittel am Minuspol. Bei DCEN liegt das Werkstück auf Plus, wird also stärker erhitzt – genau das, was Du willst.
Wechselstrom (AC) für Aluminium und Magnesium
Aluminium hat ein Problem: Auf seiner Oberfläche bildet sich sofort eine dünne Oxidschicht, die bei etwa 2.050 Grad schmilzt – deutlich höher als das reine Aluminium mit 660 Grad. Würdest Du mit DCEN schweißen, hättest Du eine geschmolzene Aluminium-Schmelze unter einer intakten Oxidschicht. Keine saubere Naht möglich.
Die Lösung ist Wechselstrom. Bei der positiven Halbwelle brechen die auf das Werkstück wandernden Elektronen die Oxidschicht auf – man spricht von der Reinigungsphase. Bei der negativen Halbwelle wird der Werkstoff dann normal erhitzt. Moderne AC/DC-Geräte erlauben Dir, das Verhältnis zwischen Reinigungs- und Erwärmungsphase (Balance) fein einzustellen.
Profi-Tipp: Balance einstellen
Bei sehr oxidiertem oder altem Aluminium stellst Du die Balance auf etwa 30 Prozent Reinigungsphase. Bei frisch entfettetem Material reichen 20 Prozent – das spart Elektroden-Verschleiß und bringt mehr Wärme in die Naht.
Abb. 2: Stromart-Wahl: DC für die meisten Metalle, AC speziell für Aluminium und Magnesium
Parameter richtig einstellen Fortgeschritten
Drei Parameter bestimmen das Ergebnis beim WIG-Schweißen: Stromstärke, Gasdurchfluss und – falls vorhanden – Impulsparameter. Hier lernst Du, wie Du sie für Dein Projekt wählst.
Stromstärke nach Materialdicke
Die wichtigste Faustformel beim WIG-Schweißen lautet: Pro Millimeter Materialdicke etwa 30 bis 40 Ampere.
| Materialdicke | Stahl/Edelstahl (DC) | Aluminium (AC) |
|---|---|---|
| 1 mm | 30–50 A | 35–65 A |
| 2 mm | 60–90 A | 70–110 A |
| 3 mm | 90–130 A | 110–160 A |
| 4 mm | 130–170 A | 160–200 A |
| 6 mm | 170–220 A | 220–280 A |
| 10 mm | 240–300 A | 300+ A (mehrere Lagen) |
Aluminium liegt wegen der höheren Wärmeleitfähigkeit etwa 20 Prozent über den Werten für Stahl. Außerdem brauchst Du bei dickeren Blechen meist Mehrlagen-Technik, weil ein einzelner Durchgang den Werkstoff sonst nicht sauber durchwärmt.
Gasdurchfluss
Der Gasdurchfluss am Druckminderer sollte zwischen 8 und 12 Litern pro Minute liegen. Zu wenig Gas führt zu oxidierten Nähten (erkennbar an grauer oder verfärbter Oberfläche), zu viel Gas reißt die Schutzgasglocke ab und bringt Turbulenzen.
Faustregel: Gasdurchfluss in l/min = Düsendurchmesser in mm. Eine 8-mm-Düse bekommt also 8 l/min, eine 12-mm-Düse 12 l/min.
Nachströmzeit
Nach dem Ende des Schweißens muss das Schutzgas noch ein paar Sekunden weiterströmen, damit die erkaltende Elektrode und das Endstück der Naht geschützt sind. Als Richtwert: 1 Sekunde pro 10 Ampere Schweißstrom. Bei 120 A also etwa 12 Sekunden Nachströmzeit. Bei Titan musst Du deutlich länger nachströmen – bis zu 30 Sekunden.
Impuls-Schweißen für dünne Bleche
Moderne WIG-Geräte bieten Impuls-Schweißen: Der Strom wechselt rhythmisch zwischen einem Grundstrom (niedrig) und einem Pulsstrom (hoch). Der Vorteil: Du bekommst schuppige Nähte wie im Lehrbuch, weniger Wärmeeinbringung und besseren Spaltüberbrückungs-Erfolg bei dünnen Blechen.
Typische Impuls-Einstellung für 1,5 mm Edelstahl:
- Pulsstrom: 80 A
- Grundstrom: 30 A (etwa 40 % des Pulsstroms)
- Pulsfrequenz: 2 Hz
- Puls-Duty-Cycle: 50 %
Praxis-Tipps für die perfekte Naht Fortgeschritten
Vorbereitung ist die halbe Miete
Sauberkeit entscheidet beim WIG-Schweißen mehr als bei jedem anderen Verfahren. Jede Verunreinigung – Fett, Lack, Rost, Feuchtigkeit – landet in Deiner Naht und erzeugt Poren oder Fehlstellen.
- Werkstücke vor dem Schweißen mit Bremsenreiniger oder Aceton entfetten
- Oxidschichten mit einer speziellen Edelstahl-Drahtbürste entfernen – niemals mit einer Bürste, die schon für unlegierten Stahl verwendet wurde (Eisenverschleppung)
- Bei Aluminium mit einem Schaber oder einer speziellen Alubürste arbeiten, da sich sonst nach kurzer Zeit wieder eine Oxidschicht bildet
Die Brennerhaltung
Halte den Brenner in einem Winkel von 70 bis 80 Grad zum Werkstück, also leicht nach hinten gekippt. Der Zusatzdraht kommt von der anderen Seite in etwa 15 bis 20 Grad flach zum Werkstück. Beide Hände ruhen möglichst stabil – WIG ist eine Zwei-Hand-Tätigkeit mit feinmotorischem Anspruch.
Der Abstand Elektrode zu Werkstück
Halte die Wolframelektrode konstant etwa 2 bis 3 Millimeter vom Werkstück entfernt. Berührst Du mit der Elektrode das Schmelzbad, kontaminierst Du sie sofort und musst sie frisch schleifen – dazu gleich mehr.
Die Elektrode schleifen
Die Wolframelektrode muss spitz sein wie ein Bleistift. Der Anschliff erfolgt längs zur Elektrode, nicht quer. Quer geschliffene Elektroden führen zu instabilem Lichtbogen, weil die Rillen den Stromfluss stören.
Die Schliff-Länge beträgt etwa das 1,5- bis 2-fache des Elektroden-Durchmessers. Bei 2,4 mm Elektrodendicke also etwa 4 bis 5 mm lange Spitze. Bei AC-Betrieb für Aluminium schmilzt die Spitze ohnehin zur Kugel – das ist normal und gewollt.
Bewegungstechnik
Anders als bei MIG/MAG, wo Du ständig pendeln kannst, schweißt Du beim WIG meist mit gleichmäßiger Vorwärts-Bewegung. Nur bei breiteren Fugen nutzt Du eine leichte Pendelbewegung oder zirkelst mit dem Brenner. Wichtiger als die Bewegung ist der Rhythmus: Immer gleicher Takt, gleicher Abstand, gleiche Brenner-Position.
Typische Fehler und wie Du sie vermeidest Profi
⚠️ Poren in der Naht
Ursache: Luftzug stört die Gasglocke, oder Werkstück/Zusatzdraht ist verschmutzt. Lösung: Arbeitsplatz windgeschützt gestalten (kein Durchzug von offenen Toren), Gasdurchfluss prüfen, Werkstück gründlich entfetten, Schweißstab vor jedem Ansatz mit einem Tuch abwischen.
⚠️ Schwarze oder oxidierte Naht (Edelstahl)
Ursache: Zu wenig Schutzgas oder zu wenig Nachströmzeit. Lösung: Gasmenge auf 10–12 l/min erhöhen, Nachströmzeit verdoppeln, bei Edelstahl-Rohr zusätzlich mit Formiergas wurzeln.
⚠️ Elektrode wird dunkel und instabil
Ursache: Elektrode hat Werkstück oder Schmelzbad berührt (Kontamination) oder Gasdurchfluss zu niedrig. Lösung: Elektrode neu anschleifen, verunreinigtes Stück absägen, Gas prüfen.
⚠️ Naht „zieht sich zusammen" (Verzug)
Ursache: Zu viel Wärmeeinbringung. Lösung: Stromstärke reduzieren, Impulsschweißen nutzen, Heftnähte setzen, in Lagen arbeiten statt in einer Raupe.
⚠️ Kein Einbrand, Naht „sitzt obendrauf"
Ursache: Zu niedriger Strom oder zu schnelle Vorschubgeschwindigkeit. Lösung: Stromstärke nach Faustformel prüfen, langsamer schweißen, Nahtvorbereitung kontrollieren (fehlende Fase?).
WIG vs. MIG/MAG vs. E-Hand Fortgeschritten
Wann ist WIG die richtige Wahl – und wann eher ein anderes Verfahren? Hier der direkte Vergleich:
| Kriterium | WIG | MIG/MAG | E-Hand |
|---|---|---|---|
| Nahtqualität | Hervorragend | Gut | Mittel |
| Schweißgeschwindigkeit | Langsam | Schnell | Mittel |
| Lernkurve | Steil | Flach | Mittel |
| Dünne Bleche (<1 mm) | Ideal | Möglich (Pulse) | Nicht geeignet |
| Dicke Bleche (>10 mm) | Langsam | Wirtschaftlich | Wirtschaftlich |
| Outdoor-Tauglichkeit | Schlecht (Wind) | Schlecht (Wind) | Sehr gut |
| Aluminium | Ideal | Gut (Pulse) | Schwierig |
| Zugänglichkeit | Gut | Mittel | Sehr gut |
| Investitionskosten | Mittel–hoch | Mittel | Gering |
Die Kurzfassung: WIG nimmst Du, wenn Optik und Qualität vor Geschwindigkeit gehen – im Rohrleitungsbau, bei Edelstahl-Geländern, in der Lebensmittelindustrie, im Kraftwerksbau und bei allen Sonderwerkstoffen. MIG/MAG ist die Wahl für produktive Serienfertigung mit mittleren bis dicken Blechen. E-Hand bleibt der Klassiker für Baustelle und Montage, wo Du keinen Gasanschluss hast und Wind ein Thema ist.
Häufige Fragen zum WIG-Schweißen
Was ist der Unterschied zwischen WIG und TIG?
WIG (Wolfram-Inertgas-Schweißen) und TIG (Tungsten Inert Gas) bezeichnen exakt dasselbe Verfahren. WIG ist die deutsche, TIG die englische Abkürzung. Im deutschsprachigen Raum ist WIG gebräuchlich.
Welches Schutzgas brauche ich beim WIG-Schweißen?
Standardmäßig reines Argon (Ar 4.6, Reinheit 99,996 Prozent). Bei dickem Aluminium oder Kupfer kann Argon-Helium-Gemisch bessere Ergebnisse liefern, weil Helium mehr Wärme in die Naht bringt.
Kann ich mit WIG Aluminium schweißen?
Ja, WIG ist sogar das ideale Verfahren für Aluminium. Dafür brauchst Du allerdings eine Stromquelle mit Wechselstrom-Funktion (AC), weil die Oxidschicht auf Aluminium nur durch die positive Halbwelle aufgebrochen wird.
Welche Wolframelektrode ist die richtige?
Für Stahl und Edelstahl nimmst Du WT20 (rot) oder die thoriumfreie Alternative WL20 (blau). Für Aluminium im AC-Betrieb eignet sich WP (grün) oder WL15 (gold). Die Elektrodenfarbe ist genormt und weltweit einheitlich.
Wie stelle ich die Stromstärke beim WIG-Schweißen ein?
Faustformel: Pro Millimeter Materialdicke rechnest Du mit etwa 30 bis 40 Ampere. Ein 3 mm Edelstahlblech braucht also rund 90 bis 120 A. Bei Aluminium liegst Du wegen der Wärmeleitung etwa 20 Prozent höher.
Brauche ich zum WIG-Schweißen einen Kühler?
Bei Strömen unter 200 A reicht ein gasgekühlter Brenner. Darüber, und besonders bei längeren Schweißarbeiten, lohnt sich ein wassergekühltes System. Es hält den Brenner leichter und Dich als Anwender weniger belastet.

